Wie die Böhm-Stiftung “Menschen für Menschen” mit Unterstützung aus Würzburg hilft

Sie ist wohl eine der bekanntesten Hilfsorganisationen in der Region Würzburg – und in ganz Deutschland. Das liegt nicht unwesentlich an dem 2014 verstorbenen Gründer und langjährigen Vorsitzenden der Stiftung „Menschen für Menschen“, dem bekannten Schauspieler Karlheinz Böhm (u.a. „Sissi“). Noch heute legendär sein Auftritt in einer der ersten „Wetten, dass..?“-Sendungen am 16. Mai 1981: Damals wettete Böhm bei Frank Elstner im ZDF, dass nicht jeder Dritte in Deutschland, Österreich und der Schweiz bereit sei, auch
nur eine Mark für notleidende Menschen in der Sahelzone zu spenden. Böhm gewann die Wette, es kamen „nur“ 1,2 Millionen Mark zusammen.

Foto: Stiftung Menschen für Menschen

Für den damals 53-Jährigen aber war es ein Auftrag, sich persönlich um die Verwendung des Geldes im Kampf gegen Hunger und Not in Afrika zu verwenden. Die Wahl fiel auf Äthiopien – für Böhm war es der Beginn eines neuen Lebens. Er begann im Erertal, im Osten des Landes, und tat vor allem eines: Er hörte zu und erarbeitete zusammen mit den Halbnomaden einen Plan zur Ansiedlung, zur Entwicklung einer intakten Dorfgemeinschaft, die sich dauerhaft selbst versorgen kann. 1996 wurde dieses Projektgebiet komplett in die Verantwortung
der einheimischen Bevölkerung übergeben. „Menschen für Menschen“ zog sich dort zurück, das Ziel war erreicht.

Seit 1981 haben in Äthiopien rund 5,7 Millionen Menschen von der „Hilfe zur Selbstentwicklung“ profitiert. Das ganzheitliche Prinzip der sogenannten integrierten ländlichen Projekte setzt dabei auf die Bereiche Landwirtschaft, Wasser, Bildung, Gesundheit und Einkommen. Heute ist die Stiftung in elf Projektgebieten tätig und beschäftigt in dem Land am Horn von Afrika rund 750 Mitarbeiter – bis auf eine Handvoll Europäer ausschließlich äthiopische Angestellte.

In den 36 Jahren wurden durch die Organisation unter anderem 2.286 Wasserstellen errichtet und über 400 neue Schulen in Äthiopien gebaut. Über 330.000 Menschen haben an einer Alphabetisierungskampagne teilgenommen. Mehr als 82.000 Frauen erhielten eine hauswirtschaftliche Weiterbildung und 26.000 Frauen haben am Kleinkreditprogramm teilgenommen. Rund 52.000 Kilometer Stein- bzw. Erdwälle wurden im Kampf gegen Erosion gebaut und 212 Millionen Baumsetzlinge verteilt.

Foto: Stiftung Menschen für Menschen

In Deutschland unterstützen ehrenamtliche Arbeitskreise die Organisation. Sie informieren, werben um Spenden und organisieren Benefizveranstaltungen. So
auch in Würzburg. Vielen ist noch die Spendenwette von 2004 in Erinnerung: Damals wettete Böhm mit der Region Mainfranken. Beeindruckendes Ergebnis: Über 300.000 Euro für die Arbeit in Äthiopien. Mit der Summe konnte nicht nur eine weitere Krankenstation errichtet werden, sondern auch eine Schule – die „Main-Post-Schule“ in Wolkebela. Die Main-Post hatte damals die Spendenwette mit ihren Lesern initiiert und organisiert. Im Jahr 2011 – zum 30-jährigen Bestehen der Organisation – beteiligte sich dann Würzburg mit einer „Städtewette“
an einer bundesweiten Aktion. Erneut zeigten sich die Würzburger mit rund 70.000 Euro sehr offen und spendenfreudig. Der Würzburger Arbeitskreis von „Menschen für Menschen“ organisiert regelmäßig Benefizveranstaltungen und zielt dabei nicht nur auf den finanziellen Erlös, sondern will in der Region das Bewusstsein für die Entwicklungszusammenarbeit stärken und den Menschen in der Region das Land Äthiopien mit seiner großen Geschichte und Kultur näherbringen. Der „Feel Ethiopia“-Abend im Mainfranken Theater setzte im Herbst 2015 ein farbenfrohes Ausrufezeichen, u.a. mit äthiopischer Musik und Mode – und dem Auftritt von Sara Nuru, ehemals Germany’s Next Topmodel und heute als Botschafterin für „Menschen für Menschen“ im Einsatz – ihre Eltern stammen aus Äthiopien. Im April diesen Jahres erlebten rund 300 Besucher in der Neubaukirche nicht nur ein Benefizkonzert des Musikvereins Frankonia Bütthard, sondern auch einen Vortrag des Würzburger Klimaforschers Heiko Paeth über die Klimaveränderungen im Osten Afrikas und die Folgen.

Foto: Stiftung Menschen für Menschen

Trotz aller Fortschritte in den Projektgebieten ist die Arbeit der Stiftung heute nicht weniger nötig als zu Beginn vor 36 Jahren. Von der Weltöffentlichkeit kaum beachtet, leiden das Horn von Afrika und andere Teile des Kontinents seit zwei Jahren unter einer verheerenden Dürreperiode, die bereits tausende Menschenleben gekostet hat. „Menschen für Menschen“ versucht mit Nothilfemaßnahmen, das Schlimmste zu verhindern.

Foto: Stiftung Menschen für Menschen

Seit November 2015 hat die Stiftung in der Region Agarfa in Äthiopien regelmäßig Nahrungsmittel an bis zu 32.500 Menschen verteilt. Eine Dürre von einem Ausmaß wie seit 2015 hat Äthiopien seit über 30 Jahren nicht erlebt. Ganze Ernten verdorrten. Die Menschen haben ihre Vorräte aufgebraucht, Tiere wurden verkauft oder starben. „Dürreperioden können wir nicht verhindern. Aber wenn die Menschen ausreichend Vorräte anlegen können, weil die Felder genügend Erträge bringen, schwächt das die Folgen solcher Klimakatastrophen deutlich ab. Deshalb lehren wir die Bauern auch in unseren integrierten ländlichen Entwicklungsprojekten verschiedene Fruchtfolgen, effektive Anbau- und Bewässerungsmethoden und verteilen ertragreiches Saatgut“, betont Peter Renner, Verantwortlicher von „Menschen für Menschen“ in Äthiopien.

In dem Land seien aktuell über fünf Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.
Renner: „Weder Grenzzäune, noch Abschottung werden helfen. Die Menschen brauchen die Chance auf ein besseres Leben in der Zukunft. Nur so lassen sich auf Dauer Fluchtursachen vermeiden.“

Spendenkonto:
„Menschen für Menschen“
IBAN: DE64 7015 0000 0018 1800 18, Stadtsparkasse München
oder online: www.menschenfuermenschen.de
Wer sich im Würzburger Arbeitskreis von „Menschen für Menschen“ engagieren möchte:
Kontakt Tel. 09303-1564 (Reinhold Scheiner), r.f.scheiner@googlemail.com